Heikki Kyöstilä – 50 Jahre als Impulsgeber für die Zahnmedizin

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13.4.2021

Planmeca wurde 1971 von Heikki Kyöstilä in Helsinki, Finnland, gegründet. Er begann mit der Entwicklung von Behandlerstühlen und Schränken für Zahnarztpraxen und ist heute Eigentümer des weltweit größten privaten Herstellers von Dentalprodukten. Seine Reise – Planmecas Reise – ist auf jeden Fall erzählenswert und zu feiern. Dies ist die Geschichte des Gründers und Geschäftsführers unseres Unternehmens.

Ein Handelsvertreter mit Vision

Heikki Kyöstilä begann seine Karriere als Handelsvertreter bei einem finnischen Unternehmen für Dentalbedarf im Jahre 1965, direkt nach dem Abschluss seines Wirtschaftsstudiums. Auf diese Weise lernte er schon früh Zahnpraxen und -kliniken sowie deren Ausstattung kennen. Es dauerte jedoch nicht lange, bis der geschäftstüchtige zukünftige Unternehmer erkannte, dass die Produkte, die er verkaufte, in vielerlei Hinsicht verbessert werden könnten.

„Ich hatte bemerkt, dass sich vor allem die Patientenstühle – ihr Design und ihre Ergonomie – mit einfachen Maßnahmen verbessern ließen. Damals wurden fast alle Dentalprodukte, die in Finnland verkauft wurden, aus Deutschland importiert, und da dachte ich, das könnten wir doch ändern und eigene Produkte herstellen. So beschloss ich, mein eigenes Unternehmen zu gründen.“ 

Wie Fallschirmspringen ohne Fallschirm

In den ersten fünf Jahren ging es um reines Überleben. Damals vergaben finnische Banken nicht allzu bereitwillig Darlehen an Start-up-Unternehmen, und so musste Kyöstilä finanziell allein zurechtkommen – mit einem Anfangskapital von 5.000 Finnmark (was heute ungefähr 7.000 € entspricht*), die er mit dem Verkauf seines Segelboots erlöst hatte.

Der Anfang war bescheiden: Die Behandlerstühle und Instrumentenschränke wurden in einer Garage im Osten Helsinkis hergestellt. Kyöstilä besaß jedoch Weitblick und wurde sofort auf dem internationalen Markt aktiv, denn ihm war von Anfang an klar, dass der finnische Markt für Dentalprodukte einfach nicht groß genug war, um darauf aufzubauen. Diese Weitsicht war damals sehr ungewöhnlich, und bildete das Rückgrat des späteren Erfolgs des Unternehmens.

Bereits 1971, im Gründungsjahr von Planmeca, hatte Kyöstilä die Gelegenheit, seinen ersten ergonomischen Behandlerstuhl und einen Instrumentenschrank auf der Fachmesse IDS in München auszustellen. Die Nachfrage war sofort da, und es gingen Bestellungen aus aller Welt ein.

„Finnland war damals ein weißer Fleck auf der Landkarte, und viele Kunden wussten noch nicht einmal, wo das Land überhaupt liegt. Es brauchte daher eine Weile, bis wir uns am Markt etabliert hatten. Wir mussten hart arbeiten, um Finnland auf die Karte zu setzen. Ich beschreibe den Anfang oft als ein Fallschirmspringen ohne Fallschirm – aber der Sprung hat sich wirklich gelohnt.“

Das Unternehmen begann sofort mit dem Aufbau seines weltweiten Vertriebsnetzwerks, das heute aus über 500 Distributoren in 120 Ländern besteht.

„Wir hatten vom ersten Tag an einen globalen Ansatz. Planmeca hat sich noch nie von geografischen Grenzen beeindrucken lassen. Wir sind immer bereit gewesen, überall dorthin zu reisen, wo unsere potenziellen Kunden sind. Der Aufbau eines aktiven Vertriebsnetzwerks, die Gründung lokaler Unternehmen zur Unterstützung der Vertriebsleute und die räumliche Nähe zu unseren Kunden sind entscheidende Elemente unseres Erfolgs gewesen.“

Die 1980er Jahre wurden zum Wendepunkt

1975 hatte Kyöstilä endlich die Mittel, seinen ersten Ingenieur einzustellen. Nun konnte das Unternehmen auch anspruchsvollere Produkte und aufwändigere Technologien entwickeln. Von diesem Punkt an folgte ein technologischer Durchbruch nach dem anderen: 1983 der erste mikroprozessorgesteuerte Patientenstuhl, 1986 die erste mikroprozessorgesteuerte Behandlungseinheit, gefolgt von der weltweit ersten mikroprozessorgesteuerten Panorama-Röntgeneinheit.

In den 1980er Jahren startete Planmeca auch seine Zusammenarbeit mit Universitäten. Den Auftakt machte eine umfangreiche Gerätelieferung an die zahnmedizinische Fakultät der Universität Helsinki. Heute ist Planmeca die Wahl von über 300 zahnmedizinischen Ausbildungsstätten, und das Unternehmen arbeitet eng mit den Universitätsmitarbeitern und Forschern zusammen.

1983 wurde der erste Verkauf in die USA abgeschlossen, mit 10.000 Patientenstühlen. Dieser Auftrag und die 2012 geschlossene Liefervereinbarung über die Rekordzahl von 1.000 Behandlungseinheiten für zahnmedizinische Einrichtungen in Saudi-Arabien sind bis heute die umfangreichsten Einzelverkäufe in der Geschichte der Zahnmedizin.

Neue Maßstäbe in der Zahnmedizin

In den 1990er Jahren setzte Planmeca mit neuen Innovationen immer wieder neue Maßstäbe in der traditionellen Zahnmedizin. Der nächste logische Schritt für das Unternehmen wäre ein digitaler Schritt, der zur weltweit ersten direkten digitalen Panorama-Bildgebungseinheit sowie zum wegweisenden All-in-One-Softwarekonzept führt, damit das zahnmedizinische Fachpersonal auf alle wichtigen Informationen über eine einzige Benutzeroberfläche zugreifen konnte.

„Das All-in-One-Softwarekonzept Planmeca Dimaxis war damals wirklich bahnbrechend und vollkommen neuartig – lange bevor der Ausdruck ‚Software-Ökosystem‘ in aller Munde war. Es ebnete den Weg für viele neue Ideen, die später den Workflow im zahnmedizinischen Arbeitsalltag weiter verbessert haben.“

Heute sind alle Dentalgeräte von Planmeca mit einer Netzwerkverbindung ausgestattet – tatsächlich bereits seit mehr als einem Jahrzehnt.

Vom Einzelunternehmen zu einer Gruppe erfolgreicher Gesundheitsmarken

Das Jahr 2022 markiert einen weiteren Meilenstein in der Geschichte von Planmeca: das fünfzigjährige Jubiläum von Plandent, dem Full-Service-Anbieter im Dentalbereich. Kyöstilä hat dieses Unternehmen 1972 gegründet, um zahnmedizinisches Fachpersonal mit allen benötigten Dienstleistungen, Geräten und Verbrauchsmaterialien zu versorgen. Heute ist Plandent Division in über zehn Ländern aktiv und ist damit einer der führenden Dentallieferanten in Europa.

Aber der Ausbau der Unternehmensgruppe ging noch weiter. 1987 stieß Kyöstilä in die Domäne der Medizintechnik vor und gründete Planmed. Das Unternehmen stellt Geräte für Mammographie und zur orthopädischen Bildgebung her.

Heute ist die Planmeca Group, zu der mehrere erfolgreiche Marken der Gesundheitstechnologie gehören, branchenführend. Was als kleines Unternehmen begann, hat heute einen Umsatz von 764 Millionen Euro, fast 2.900 Mitarbeiter und sechs Hektar Firmengelände in Helsinki, wo Zahnärzte aus aller Welt zum Austausch von Gedanken und Ideen immer willkommen sind.

Vor der Pandemie besuchten tatsächlich jedes Jahr Tausende von Zahnärzten den Hauptsitz von Planmeca.

„Neben Messen und Kongressen ist dies eine hervorragende Möglichkeit, um Kundenfeedback zu erhalten. Ich habe es schon immer genossen, unsere Kunden persönlich zu treffen. Es ist wirklich die Würze meiner beruflichen Laufbahn gewesen.“

Führendes Unternehmen in der Bildgebung in den Diensten der Zahnheilkunde und Medizin

Die Digitalisierung der Zahnmedizin begann Ende der 1990er Jahre und nahm in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends rasch an Fahrt auf, so dass sich Planmecas frühzeitige Investitionen in die Entwicklung von Bildgebung und Software bald auszahlten.

„2D- und 3D-Bildgebungssysteme haben das Wachstum des Unternehmens richtig beschleunigt. Durch unseren Schwerpunkt auf die Entwicklung bahnbrechender Bildgebungstechnologien konnten wir uns auch außerhalb der Zahnmedizin etablieren.“

So steckt beispielsweise die einzigartige DVT-Technologie von Planmeca in Extremitätsscanner von Planmed, der auch in der tierärztlichen 3D-Bildgebung eingesetzt wird. Mit der gleichen bahnbrechenden Bildgebungstechnologie, die in verschiedenen Produktlinien zum Einsatz kommt, hat die Planmeca Group die Mission, allen Fachleuten des Gesundheitswesens die beste Bildqualität zu bieten, ob in Zahnpraxen und -kliniken, Krankenhäusern oder tiermedizinischen Praxen.

Neben den zahnärztlichen Innovationen baut Planmeca das Portfolio an medizinischen Produkten weiter aus: So arbeitet die F&E-Abteilung des Unternehmens derzeit an einem neuen Ganzkörper-DVT-Scanner und einem Beatmungsgerät.

Die Führungsrolle auf dem Gebiet der DVT-Bildgebung erfordert einige Voraussetzungen: Software-Know-how, kontinuierliche Weiterentwicklung von Algorithmen, erstklassiges mechanisches Design, fortschrittliche Bildverarbeitung und umfassendes Verständnis der Benutzerfreundlichkeit. Planmeca erfüllt alle diese Voraussetzungen.

„Besonders stolz bin ich auf unsere Algorithmus-Expertise. Es ist uns bereits gelungen, die Patientendosen erheblich zu senken und die Effekte von Patientenbewegungen zu beseitigen. Wir arbeiten weiter unermüdlich an der Einführung neuer, innovativer Algorithmen, die die Bildqualität weiter verbessern und optimale Grundlage für Diagnose bieten.“

Vertrauen in finnische Expertise

Rund ein halbes Jahrhundert stetigen und kontinuierlichen Wachstums war nur möglich mit Entschlossenheit, Beharrlichkeit, einer starken Arbeitsmoral und natürlich fortlaufenden Innovationen.

„Selbstverständlich läuft es nicht jeden Tag glatt. In Zeiten der Rezessionen und bei anderen Schwierigkeiten haben wir aber härter denn je gearbeitet und versucht, unsere Lösungen an Kunden in jedem Winkel der Erde zu verkaufen – und Dentalprodukte weiterhin mit der neuesten Technologie auszustatten. Anspruchslose Technologien haben uns nie interessiert.“

Kyöstilä wollte die Produktion des Unternehmens in Finnland behalten und die Agilität, Effizienz, flachen Hierarchien und den Unternehmergeist aus den Anfangstagen des Unternehmens bewahren – trotz des weltweiten Erfolgs. Dazu war es notwendig, die besten Leute einzustellen und ihnen außerdem die Gelegenheit zu geben, über den Horizont ihrer Jobbeschreibung hinaus zu blicken.

 „Ich habe immer an das finnische Know-how und die finnische Bildung geglaubt. Außerdem bin ich überzeugt, dass es besser ist, zuzuhören als angehört zu werden. Die Wertschätzung der Kenntnisse meiner Mitarbeiter und die Einstellung der besten Spezialisten im jeden Fachgebiet ist das Geheimnis hinter dem Aufbau eines erfolgreichen Unternehmens.“

Finnisches Design lag Heikki Kyöstilä schon immer sehr am Herzen, was sich auch in den Produktlinien des Unternehmens widerspiegelt. „Ein zeitloses und wiedererkennbares Design ist einer unserer wesentlichen Wettbewerbsvorteile. Zum Design gehört so viel mehr als nur die Außenseite des Produkts. Es ist das Ergebnis eines tiefen Verständnisses der klinischen Arbeitsabläufe und Anforderungen. Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen beschäftigen wir ein ganzes Team von hauseigenen Industriedesignern, die in jede Phase der Produktentwicklung eingebunden sind.“

Aufmerksam selbst auf die kleinsten Signale achten

Mit 50 Jahren Erfahrung weiß Kyöstilä fraglos das eine oder andere über Unternehmertum. „Man muss weiter vorausblicken als die Konkurrenz und genau zuhören, was die Kunden sagen. Man muss aufmerksam selbst auf die kleinsten Signale achten und bereit sein, den eigenen Kurs entsprechend anzupassen.“

Er freut sich, dass Unternehmertum heute – anders als in seiner Jugend – positiv betrachtet wird und junge Menschen zur Gründung eines eigenen Unternehmens ermuntert werden.

Aber Abkürzungen gibt es auf dem Weg zum Erfolg nicht: „Nichts ist wichtiger als Qualität, und man sollte niemals ein unfertiges Produkt auf den Markt bringen. Ein erfolgreiches Produkt führt oft zur Konzeption weiterer guter Produkte.“

Nach vorne blicken, nicht zurück

Kyöstilä gibt sich nicht mit sentimentalen Erinnerungen ab, sondern blickt lieber in die Zukunft. Für ihn bedeutet das, furchtlos in neue Bereiche vorzustoßen und sich an die Spitze technologischer Trends zu setzen.

Teil seiner Zukunftspläne ist zum Beispiel eine Reihe von Lösungen für kieferorthopädische Behandlungen durch ein neues Unternehmen namens PlanSmile. „Wir vertiefen weiterhin unser Wissen, unsere Expertise und unser Engagement in verschiedenen Spezialgebieten, wie Kieferorthopädie, medizinische Bildgebung und neue 3D-Anwendungen. So können wir neue technische Möglichkeiten und Geschäftschancen ausloten.“

Trotz der stetigen Fortschritte in der Bildgebungstechnologie und der großen medizinischen Projekte, mit denen sich Planmeca derzeit beschäftigt, vergisst das Unternehmen nicht das Produkt, mit dem sein Erfolg begonnen hat: die Behandlungseinheit, das wichtigste Arbeitswerkzeug in der Zahnmedizin. Das Forschungs- und Entwicklungsteam von Planmeca arbeitet engagiert an neuen Möglichkeiten, um die neuesten Technologien und Upgrades in die Behandlungseinheiten einzuführen, um den alltäglichen Arbeitsablauf in Zahnarztpraxen und -kliniken so reibungslos wie möglich zu gestalten.

Für Heikki Kyöstilä ist Planmeca eine Lebenseinstellung, und der Kontakt mit zufriedenen Kunden zeigt ihm, dass das Unternehmen sein primäres Ziel erreicht hat: eine bessere Versorgung durch Innovation. 

„Ich bin dankbar, dass ich mit einem hochprofessionellen Team arbeiten durfte und vom zahnmedizinischen Fachexperten umgeben war, die ich sehr schätze. Ich möchte auch weiterhin nah an meinen Kunden und Mitarbeitern bleiben. Ich möchte sowohl das Negative als auch das Positive hören. Das ist der einzige Weg, um im Spiel zu bleiben.“


Heikki Kyöstilä

*https://www.stat.fi/tup/laskurit/rahanarvonmuunnin_en.html

Text: Hanna Korlin
Bilder: Planmeca-Bildarchive und Dino Azinur